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Der Code der VW-Manipulations-Software ist geknackt

26. Mai 2017

Ob ein Auto unerlaubt die Abgasreinigung ausschaltet, war bislang nur durch aufwendige Tests mit Fahrzeugen auf dem Prüfstand herauszufinden. Jetzt geht es in zwei Minuten. Das brachte auch Fiat ins Visier.

Schummel-Software jetzt entschlüsselt

mid Groß-Gerau - Noch mit Abgas-Schlauch: 45 dieser Prüfstände stehen im neuen Entwicklungszentrum von Opel.

Deutsch-amerikanische Forschergruppe entschlüsselt Schummel-Software.
Copyright: GM Company

IT-Sicherheitsexperten der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der University of California in San Diego entwickelten gemeinsam mit dem Lübecker IT-Spezialisten Felix Domke ein Tool, das Betrugssoftware in der Motorsteuerung von Autos entdecken kann. Ein Team um Prof. Dr. Thorsten Holz vom Bochumer Horst-Görtz-Institut testete gemeinsam mit einer Gruppe um Kirill Levchenko von der University of California 900 verschiedene Versionen der Motorsteuerungssoftware für Diesel-Fahrzeuge von Volkswagen und Fiat Chrysler aus den vergangenen acht Jahren. In 400 davon fanden sie eine Vorrichtung, die die Abgasreinigung unter regulären Fahrbedingungen abschaltet. Die Analyse deckt auch auf, wie genau die verschiedenen Hersteller bei der Manipulation vorgehen.

Die Ergebnisse präsentieren jetzt die Bochumer Forscher, zu denen auch zwei Doktoranden am RUB-Lehrstuhl für Systemsicherheit gehören, gemeinsam mit ihren US-amerikanischen Partnern auf dem IEEE Symposium on Security and Privacy in San Jose, Kalifornien. Die zugehörige Veröffentlichung ist auch hier auf Englisch nachzulesen.

Um zu erkennen, ob in einem Auto eine nicht erlaubte Abschalteinrichtung eingebaut ist, musste bislang ein Wagen auf dem Prüfstand einen etwa 20-minütigen Test absolvieren. „Wenn man zehn Fahrzeugmodelle testen möchte, muss man auch zehn Wagen auf den Prüfstand bringen. Das ist aufwendig“, sagt Thorsten Holz. „Unser Tool braucht kein Auto, sondern nur die Motorsteuerungssoftware. Wir können in zwei Minuten analysieren, ob sie eine Abschalteinrichtung beinhaltet oder nicht.“ Anhand dieser Software können die Forscher nachvollziehen, wie ein Auto auf bestimmte Zustände reagiert, zum Beispiel welche Abgasfiltermechanismen in einer bestimmten Situation angeschaltet werden.

Auch FIAT manipulierte Abgaswerte

Fiat 500 Cult.

Jetzt gerät auch FIAT unter Druck.
Copyright: Auto-Medienportal.Net/Fiat

Nicht nur die Motorsteuerungssoftware von Volkswagen haben die IT-Experten unter die Lupe genommen. Auch das System des Fiat 500X, weswegen die EU-Kommission ein Verfahren gegen die italienische Regierung eingeleitet hat und das auch ins Visier des US-Justizministeriums geraten ist, war Gegenstand der Untersuchungen. „Fiat geht besonders plump vor“, lautet das Fazit von Thorsten Holz. Während die VW-Software zum Beispiel anhand der Sequenz von Beschleunigungen und Bremsmanövern erkennt, ob sich ein Fahrzeug gerade in einem Prüfzyklus befindet, nutzt Fiat die Tatsache, dass ein Prüfzyklus 20 Minuten dauert – und schaltet die Abgasreinigung schlicht nach etwas mehr als 22 Minuten Betrieb ab.

Da die Wissenschaftler Software aus den vergangenen acht Jahren testeten, konnten sie nachweisen, dass die Abschalteinrichtungen im Lauf der Jahre immer weiter verfeinert wurden. Ihr Ziel ist es nun, ihr Tool so weiterzuentwickeln, dass es die Motorsteuerungssoftware beliebiger Hersteller automatisch analysieren kann.

Ein ganzes Jahr benötigte die deutsch-amerikanische Kooperation, bis der von Volkswagen eingesetzte Code geknackt war, mit dem die Emissionsprüfungen von Dieselautos manipuliert worden waren. Dass dessen Veröffentlichung zeitgleich mit der Razzia der Stuttgarter Staatsanwaltschaft bei Mercedes-Benz zusammenfalle, sei Zufall, hieß es in San Diego. Schließlich würden sich die Vorwürfe gegen die Daimler AG von denen gegen Volkswagen unterscheiden. Hier stehe die möglicherweise mangelhafte Nachbehandlung der Partikelemissionen im Fokus, bevor sie das Endrohr eines Dieselautos verlassen. Dennoch hätten sie das Potenzial, ähnliche Folgen nach sich zu ziehen wie der in den USA als Dieselgate bezeichnete Skandal, falls sich die Vorwürfe bewahrheiten würden.

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Suzuki Swift Sport: Der sportliche Sauger

22. Mai 2017

Kompakt, kurzer Radstand, straffes Fahrwerk: Der Suzuki Swift Sport bietet, was Freunde sportlicher Kleinwagen gern haben. Dennoch ist er ein fahrbarer Anachronismus.

Das liegt vor allem an seinen inneren Werten

mid Groß-Gerau - Ein Design, das die Gemüter spaltet. Von knuffig bis klobig sind wohl alle Assoziationen möglich. Egal, ob man den Swift Sport schön findet - er bietet viel Platz.

mid Groß-Gerau – Ein Design, das die Gemüter spaltet. Von knuffig bis klobig sind wohl alle Assoziationen möglich. Egal, ob man den Swift Sport schön findet – er bietet viel Platz.
Copyright: Suzuki

Wer sich ein sportliches Auto mit Kleinwagen-Maßen zulegt, sollte ein Freund von Turbomotoren sein. Ob drei oder vier Zylinder, ein Liter bis 1,6 Liter Hubraum, hier variieren die Werte. Der Turbo ist dagegen Pflicht, um entsprechend Leistung zu generieren – so jedenfalls die gängige Meinung und auch das bevorzugte Konzept der Hersteller.

Nur ein Beispiel: Der nächste Ford Fiesta RS fährt 2018 mit 147 kW/200 PS vor, die ein 1,5-Liter-Dreizyliner-Turbo liefert. Anders der Suzuki Swift Sport. Hier verrichtet ein 1,6 Liter großer Saugmotor seine Arbeit unter der Haube, der 100 kW/136 PS bereitstellt. Nicht übermäßig viel für das Spitzenmodell der Baureihe – andere Hersteller sind in diesem Segment mit den besagten 200 Turbo-PS dabei. Selbst kleinere Sportler wie der Opel Adam S oder der Werks-getunte Fiat 500, der Abarth 595, fahren mit 150 beziehungsweise 145 PS vor.

Dennoch ist die Leistung des Swift Sport ausreichend, um auf der Straße seinen Spaß zu haben. Dafür gibt es eine Voraussetzung: Der Stoff, den der Suzuki braucht, um in die Gänge zu kommen, heißt Drehzahl. Bewegt sich der Zeiger nicht zwischen 5.000 und 6.000 Touren, ist der kleine Japaner eher träge, die volle Leistung erreicht er sogar erst bei 6.900 Umdrehungen je Minute. Dann allerdings zeigt der Swift Sport, dass er seinem Namen gerecht wird, wenn man ihn kitzelt.

Der Spritverbrauch hält sich dabei in Grenzen. 6,5 Liter hat sich der Testwagen im Schnitt genehmigt, trotz flotteren Autobahnpassagen – das ist fast identisch mit der Herstellerangabe und okay. Ebenfalls nur okay ist die Materialanmutung im Innenraum des Swift Sport. Was auf den ersten Blick sportliches Ambiente vermittelt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als durchschnittlich wertig. Die bequemen und guten Seitenhalt bietenden Sportsitze mit den roten Ziernähten sind die Ausnahme. Das Armaturenbrett dagegen und die Türverkleidungen sind in eher schlichtem und nicht besonders attraktivem Kunststoff gehalten, was den Innenraum insgesamt abwertet.

Im Gegensatz dazu ist das Auto serienmäßig mit Sicherheits-Features ausgerüstet, die in der Klasse keine Selbstverständlichkeit sind, etwa einem Knie-Airbag. Überhaupt ist die Serienausstattung sehr umfangreich, sie reicht von der Klimaautomatik über die Sitzheizung bis hin zur Freisprechanlage – alles kein Standard in der Kleinwagen-Klasse. Auch Bi-Xenon-Licht, 17-Zoll-Alufelgen und einen Dachkantenspoiler gibt’s ohne Aufpreis. Kompliment.

Das Design des Swift spaltet die Gemüter

mid Groß-Gerau - Dachkantenspoiler, Diffusor, Doppel-Auspuffanlage mit sportlich-kernigem Sound: Der Swift Sport zeigt ganz ohne Zurückhaltung, dass er der Platzhirsch der Baureihe ist.

mid Groß-Gerau – Dachkantenspoiler, Diffusor, Doppel-Auspuffanlage mit sportlich-kernigem Sound: Der Swift Sport zeigt ganz ohne Zurückhaltung, dass er der Platzhirsch der Baureihe ist.
Copyright: Suzuki

Während die einen kritisieren, dass er zu gedrungen wirke, mögen andere die klare Linienführung ohne größere Kanten. Die Geschmäcker sind eben unterschiedlich. Eine flachere Silhouette könnte dem Kleinwagen sicher nicht schaden, um sich seines an einen Minivan erinnernden Äußeren zu entledigen. Diese Form hat allerdings den Vorteil, dass auf kleinem Raum ordentlich Platz zur Verfügung steht, sowohl auf der Rückbank in Sachen Kopffreiheit als auch im Kofferraum. Der schluckt 211 bis 892 Liter, mehr als ausreichend für den Wochenendausflug. Außerdem ist das auffällige Design das Markenzeichen des Swift, und dessen Grundprinzip wird auch beim bereits erhältlichen Nachfolger erhalten bleiben, dessen Markstart der 13. Mai war.

Richtig gut gelungen ist den Japanern das Fahrwerk des Swift Sport, das sportlich-straff, aber nicht zu hart abgestimmt ist. Nur lästige Querrillen quittiert das Auto mit einem leichten Ruck. Und in engen, schnell gefahrenen Kurven schiebt er etwas über die Vorderräder. Das ist allerdings gut beherrschbar und im Alltagsgebrauch kein Problem. Eine etwas direktere Lenkung wäre wünschenswert, aber insgesamt ist das Paket ausgewogen. Kurze Schaltwege und eine direkte Schaltung fallen positiv auf. Ein Plus für alle, die es sportlich mögen: Der Sound, den der Suzuki aus den beiden Auspuff-Endrohren in seine Umgebung entlässt. Der ist kernig und ein echter Hinhörer.

Gut sind auch die Fahrleistungen: Tempo 195 schafft der kleine Japaner, 8,7 Sekunden dauert der Spurt auf 100 km/h. Kommen wir zum Hauptargument, warum der Swift Sport eine interessante Alternative ist: Der Preis. Denn der ist mit 18.990 Euro mehr als fair für ein sportliches Auto. Dafür kann man über kleinere Schwächen hinwegsehen.

Technische Daten Suzuki Swift 1.6 Sport

Dreitüriger, viersitziger Kleinwagen

Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter 3,89/1,70/1,51/2,43
Leergewicht 1.115 kg
Zuladung 365 kg
Gepäckraum 211 bis 892 Liter
Tankinhalt 42 Liter
Preis 18.990 Euro
Motor Vierzylinder-Benziner
Hubraum 1.586 ccm
Leistung 100 kW/136 PS bei 6.900/min
Max. Drehmoment 160 Nm bei 4.400/min, Kraftübertragung auf die Vorderräder mit Sechsgang-Schaltgetriebe
Null bis 100 km/h 8,7 s
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h
Normverbrauch kombiniert 6,4 l/100 km Superbenzin
CO2-Ausstoß 147 g/km

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